Hoert bei Geld die Freundschaft auf?

Im Volksmund liegt oft ein großer Teil Lebenserfahrung. So auch im dem Satz “Gute Freunde, gute Rechnung”. Und hier liegt oft das Problem, wenn um die Rückzahlung von geliehenem Geld geht. Meist ist das nicht dokumentiert und daher im Streitfall nicht beweisbar, wann wieviel Geld und für wie lange gegeben wurde, auch wenn ein Darlehen ohne Laufzeit grds. mit einer Frist von 3 Monaten kündbar ist.

Bei kleineren Beträge ist das oft verschmerzbar, trübt aber die Freundschaft. Bei größeren Beträge bestehen dann schon höhere Risiken. Warum leiht der Freund sich das Geld nicht bei der Bank, bei den Niedrigzinsen meist kein Problem. Fehlt es an der Kreditwürdigkeit, dann geht man selbst auch das Risiko ein, dass das Geld nicht zurückgezahlt werden kann.

Wichtig ist zunächst die Dokumentation, also ein kurzer, auch handschriftlicher Vertrag. In dem sollte die Höhe stehen, das Zahlungsdatum, das Rückzahlungsdatum und der Zinssatz, wenn einer vereinbart wird. Aber Vorsicht! Jetzt kommen steuerliche Aspekte dazu. Der Zinsertrag muss vom Darlehensgeber u.U.  versteuert werden. Wird nicht der marktübliche Zins verlangt, kann dies eine Schenkung darstellen.

Wenn man unter Freunden keinen Vertag schließen möchte, empfiehlt sich bei größeren Summen zumindest eine Überweisung mit der Angabe z.B.: “Darlehen € 1000,00 bis 31.12.2020 Zinssatz 1%”. Dann hat man im Streitfall einen Nachweis.

Hilft das eigene Mahnschreiben nicht (per Einschreiben mit Zugangsnachweis) dann vielleicht das anwaltliche Mahnschreiben. Zuvor empfiehlt sich die Einholung einer Auskunft für € 3,99, ob es noch andere Gläubiger gibt und ob sich evtl. schon eine Zahlungsunfähigkeit ergibt. Die Kosten des Anwaltsschreibens und der Auslagen muss dann der Freund tragen, wenn man ihn vorher nachweisbar (Mahnschreiben per Einschreiben) in Verzug gesetzt hat. Hinzu kommen die Verzugszinsen von 4% über dem – z.Zt. negativen – Basiszinssatz.

Wird dann immer noch nicht gezahlt, kann man – auch selbst – einen Mahnbescheid beantragen.  Die nächsten Stufen sind dann der Vollstreckungsbescheid, wenn kein Widerspruch eingelegt wird. Damit kann man dann den Gerichtsvollzieher mit der Beitreibung beauftragen.

Wird Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid eingelegt, muss Klage eingereicht werden. Hier benötigt man dann den Nachweis der Darlehensvereinbarung, also den Vertrag oder den Überweisungsbeleg. Das schwächste mögliche Beweismittel ist ein evtl. Zeuge und wenn, dann zumindest eine neutrale Person.

Das Risiko, das der Freund  Geld hat, trägt man als Kläger auch für die Anwalts und Gerichtskosten, die in dem Verfahren 1. Instanz bei einer Darlehenssumme von € 1000,00  bis zu € 682,60 (2 Anwälte und Gerichtskosten) betragen können.

Hat man einen Nachweis der Darlehenszahlung mit Rückzahlungsdatum vereinbart, erübrigt sich das aber meist nach der anwaltlichen Mahnung, da dann erfahrungsgemäß doch eher flott gezahlt wird.

 

Harald H. Zier

Rechtsanwalt